Hunger

„Hunger“, sagt er und zeigt begierig auf die Keksdose gut zwei Meter über ihm in einem der Küchenregale.

„David, das Essen ist in zehn Minuten fertig, du bekommst jetzt kein Keks.“

„Hunger“, wiederholt er und sieht mich mit diesem Blick an, dem ich als Vater nicht widerstehen kann. Ich halte mich zurück und versuche nicht, ihm zu erklären, dass ‚Hunger‘ etwas anderes ist als das, was er will. Timing ist alles, Erziehung ist kein Kontinuum.

Ich sehe nach, ob im Flur neben der Küche jemand ein Problem damit haben könnte, dass ich meinem 20 Monate alten Sohn eine Süßigkeit gebe, bevor das Abendessen fertig ist. Die Luft ist rein. Ich hole die Keksdose aus dem höchsten Regal, nehme den Deckel ab und setze mich auf den Boden, lehne mich mit dem Rücken an die Spülmaschine. Er wackelt drei Windelschritte in meine Richtung, sucht sich einen Platz auf meinem Oberschenkel und wartet geduldig. Er darf wählen und nimmt sich Zeit. Er streicht mit seinem Fingerchen über das Angebot, berührt ein mit Zucker bedecktes, viereckiges Keks und streichelt noch ein paar andere. Eines mit Schokoladestückchen und eines in Herzform.

„Eines“, sage ich.

„Ja“, antwortet er. Ich hätte genauso gut sagen können, der Eiffelturm sei explodiert.

Er nimmt ein Zuckerkeks, gibt mir seinen Schnuller und nimmt ein Schokoladekeks in seine freie Hand. Er knabbert mit Hasenzähnen am Rande seines Glücks. Er lässt sich sanft nach hinten fallen, lehnt sich mit seinem warmen Körper an mich und vergisst die Welt. Das Zuckerkeks ist schnell weg.

„Auto“, sagt er.

Ich hebe seinen kleinen roten Traktor vom Boden auf und gebe ihn ihm in seine frei gewordene Hand.

„Flugzeug.“

Auch das aus Zaventem mitgebrachte KLM-Flugzeug gebe ich ihm in die Hand.

Er sieht mich an. Ich sehe ihn an.

Er lacht. Ich schmelze.

Männer unter sich, auf dem kalten Küchenboden, und keine Zeugen.

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Morgen wissen wir mehr…

Ich kannte Harry nicht. Und er kannte mich nicht. Er lag auf dem Gehsteig meiner Straße, bleich, nein, eher grau, und verstört, er sprach nicht und sein Kopf blutete.

Ich hatte einen schönen Nachmittag gehabt, hatte Freunde mit einer tollen Idee für einen neuen Film getroffen, das Wetter war mild und die Begeisterung über das Projekt so aufwühlend wie das Glas Wein, das wir darauf tranken. Zu Hause warteten die Kinder auf ihr Abendessen, ich spazierte glückselig um die Straßenecke und stolperte sozusagen über Harry.

Eine Nachbarin, die mit ihrem Enkelkind im Buggy unterwegs nach Hause war, versuchte, mit Harry zu sprechen. Ich bat sie, die Rettung zu rufen. Harry murmelte, dass er nur noch ins Bett wolle. Dass das Krankenhaus keine Lösung sei. Er würde stundenlang vergessen werden und schließlich wieder mit dem Taxi nach Hause fahren müssen. Harry hatte Erfahrung. Er hielt sich halb im Liegen krampfhaft am Türgriff eines alten Autos fest, um nicht hinzufallen. Er musste circa siebzig sein und war schweißnass. Wir holten ein Glas Wasser, das er in einem Zug austrank. Ich stellte mich hinter ihn, damit er sich mit seinem Rücken an meine Beine lehnen konnte. Er sagte, es wäre nicht unangenehm. Kein Wiener würde je sagen, dass etwas angenehm sei. Ich sprach mit ihm. Ich erklärte ihm, dass ich nicht aus Ungarn käme, als er mich ansah und meinen Akzent einzuordnen versuchte, sondern aus Belgien.

Und duzt sich in Belgien jeder? Ich antwortete, dass wir es mit der Höflichkeitsform etwas weniger genau nehmen, weil es uns um die Menschen geht, dass wir den Weg etwas kürzer machen, um einander zu erreichen und zu verstehen. Sicherlich in einer Situation wie dieser.

Er wandte sich ab. Ich sah, wie seine Augen nach oben rollten und sein Körper an meinen Beinen schwach wurde. Ich hockte mich nieder und drückte ihn nach vorne, setzte mich hinter ihm auf den Gehsteig, er saß zwischen meinen Beinen und lag in meinen Armen. Ich sprach mit ihm, ich machte Witze und stellte ihm Fragen. Ob er alleine wohne? Dass es drei Belgier bräuchte, um ihn nach oben zu tragen. Dass kein Flame jemals einen Österreicher drei Stockwerke nach oben tragen würde, auch wenn er darum gebeten würde.

Er war einmal in Brüssel gewesen. Er kam langsam zu Bewusstsein, als er das sagte. Brüssel hatte er teuer gefunden, aber mich fand er nett. Er hatte bereits zwei Herzoperationen hinter sich und litt an Diabetes. Er ergriff meine Hand und drückte sie an seine Wange. Bring mich nach oben, bring mich ins Bett. Er glitt wieder weg. Ich konnte ihn kaum in den Armen halten.

Ich roch keinen Alkohol, ich sah nur einen alten Mann, der alleine war, zusammengesunken auf dem Gehsteig. Er wohnte alleine, seine Frau war vorigen Monat gestorben. Er wohnt neben mir, eine halbe Straße weiter, und ich kenne Harry nicht.

Ob ich bei ihm bleiben wolle und ihn ins Bett bringen könne? Seine Lippen waren grau, seine Haut wurde immer fahler. Ich sprach über unsere Straße, die Menschen, das Leben, ich versuchte, locker zu sein und meine Angst zu verbergen, fünfundzwanzig Minuten sind lange für jemanden, der auf Hilfe wartet. Andere Menschen würden beten, ich summte und hoffte. Dass die Rettung schnell kommen und ihn versorgen würde, so wie es sich gehört. Er küsste meine Hand und fragte noch einmal, ob ich ihn in sein Bett bringen könne. Ich versuchte, ihn hochzuziehen, aber ich wusste, dass ich keine Chance hatte. Ich flüsterte in sein Ohr, dass alles wieder gut werden würde. Er erschlaffte wieder. Ich wünschte mir, dass er sich einfach entspannte, ich konnte sein Gesicht nicht sehen.

Der Arzt kam mit drei Sanitätern, einer Tragbahre und einem Defibrillator. Ich half ihnen, Harry auf die Bahre zu legen, und sagte ihm noch, dass alles in Ordnung sei. Er ließ meine Hand nicht los, und ich werde seinen Blick niemals vergessen. Er spürte die Routine, er wusste, dass er ausgeliefert war und nicht mehr zurück konnte. Der Arzt bedankte sich bei mir, wie man sich bei jemandem bedankt, der den Weg frei macht, um einen vorbeizulassen. Keine Frage, kein Wort, keine Emotion. Mein eigener Vater starb, als ich neunzehn war. Ich war nicht bei ihm, er lang nicht in meinen Armen.

Ich hätte Harry einfach ins Bett tragen und bei ihm bleiben sollen. Ich hätte ihm ersparen müssen, was ihn erwartete, seine Hand nehmen müssen, sprechen, Witze machen, vielleicht sogar singen oder summen, einfach bei ihm sein.

Ich warte auf Nachricht und gehe nicht schlafen. Denn ich kenne Harry jetzt, und er kennt mich.

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Die Gegenfrage

Ich bin auf der Suche nach einer Erklärung für ein Phänomen, das ich hier bei Freunden festgestellt habe. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht typisch österreichisch ist. Sie helfen mir sicher dabei, das herauszufinden.

Angenommen, Sie kochen Spaghetti. Die Sauce dürfen Sie selbst aussuchen, sie ist für diese Geschichte irrelevant. Sie stehen am Herd und sinnieren über dem kochenden Wasser, rühren ab und zu die Nudeln um, als plötzlich Ihre Partnerin oder Ihr Partner hereinkommt. Sie sagen, dass Sie kurz noch etwas anderes tun müssen, und fragen, ob er/sie auf die Spaghetti achtgeben könnte. Kommt die Frage: „Wie lange sind die Nudeln schon im Wasser?“

Hätten Sie nicht – so wie ich – die Frage erwartet: „In wie viel Minuten müssen die Nudeln abgeseiht werden?“ Oder: „Wann sind die Spaghetti fertig?“

Jemand, der erstere Frage stellt, muss noch schnell rechnen. Der zweite Typ von Antwort erfordert nur einen Blick auf die Uhr, und schon ist alles klar.

Dieses Beispiel ist natürlich nur ein Fingerzeig, das werden Sie verstanden haben. Ich gebe noch eines. Die Frau des Arztes ruft ihren Mann an und fragt, wann er zum Essen kommt. Der Arzt antwortet, dass er seinen letzten Patienten um halb sieben hat. Echte Kommunikation kann man dieses kurze Gespräch nicht nennen. Hätte die Frau gefragt, wann er seinen letzten Patienten hat, hätte er sicher geantwortet: „Warum?“ Es gibt Menschen, die ihre Fragen oder auch Antworten so formulieren, dass darauf eindeutig noch eine Frage folgen muss.

„Bist du heute Abend zu Hause?“ Ich antworte dann immer mit einer Gegenfrage: „Warum?“ Welche Relevanz hat es, ob ich heute Abend zu Hause bleibe? Das möchte ich doch gerne wissen? Es geht auch anders: „Solltest du heute Abend zu Hause sein, würde ich mit einer Freundin etwas trinken gehen.“ Bitte schön, klar und deutlich, kein Missverständnis möglich.

„Warst du schon im Supermarkt?“ Da versteckt sich doch noch eine andere Frage dahinter oder spüren Sie das nicht? „Solltest du noch nicht im Supermarkt gewesen sein, kannst du dann Windeln mitbringen?“ Die Frage ist nicht, ob jemand schon im Supermarkt war, sondern Windeln sind das Thema.

Warum interessieren sich manche Menschen – wie in meinem Spaghetti-Beispiel – für die Minuten, die schon vorbei sind, und nicht für die Minuten, die noch kommen werden? Warum nimmt der Arzt an, dass seine Frau selbst ausrechnen wird, wann er zu Hause sein wird, wenn sein letzter Patient um halb sieben kommt?

Ich habe einen kleinen Test gemacht. Ich habe meine ‚Kandidaten‘ mit geschlossenen Augen von 0 bis 60 Sekunden zählen lassen. Jene Personen, die ihre Fragen erfahrungsgemäß so formulierten, dass nur eine einzige Antwort notwendig war, ohne rechnen oder nachdenken zu müssen, zählten immer zu schnell. Die anderen brauchten immer viel länger als eine Minute, bevor sie meinten, fertig zu sein. Irgendwo geht Zeit verloren und werden überflüssige Fragen gestellt.

Ich bin mir sicher, dass Sie inzwischen bereits wissen, zu welcher Kategorie Sie gehören. Sie brauchen nur versuchen, mit geschlossenen Augen 60 Sekunden abzuzählen.

Ich muss das auf jeden Fall nächstes Mal auch in Gent austesten, oder Sie in Athen, Denpasar, Oslo, Paris…

 

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Vaterschaft beginnt in Österreich ein Jahr nach der Geburt des Kindes…

Ich fliege demnächst mit meiner fast fünfjährigen Wiener Tochter wieder einmal nach Belgien. Der ausdrückliche Wunsch kommt von ihr. Nicht schlecht für eine Fünfjährige… „Papa, wir müssen unbedingt wieder einmal nach Belgien.“ Okay, denke ich mir, das kostet mich einen Haufen Geld, und da meine ich noch nicht einmal alles, was wir für den belgischen Teil der Familie aus Wien mitnehmen wollen, sondern vor allem das, was wir aus Gent zurück nach Hause schleppen wollen. Eine Flasche Duvel kostet in diesem einen Laden in Wien, der sie im Regal stehen hat, schon leicht einmal sechs Euro. Aber gut, Kontakt mit dem Heimatland ist wichtig, körperliche Anwesenheit noch mehr.

Als meine Tochter geboren wurde, haben wir von der gesetzlichen Freiheit in Österreich Gebrauch gemacht, ihr den Familiennamen ihrer Mutter zu geben. Der ist nämlich kürzer, klingt österreichischer als ‚Verschueren‘ und für mich war es ein ausdrückliches Zeichen der Emanzipation, bei dieser Geschichte mitzumachen. Denn ein Leben lang deinen flämischen Namen in Österreich buchstabieren zu müssen, ist etwas, das – wenn möglich – vermieden werden muss. Ich musste mich zwar erst daran gewöhnen und zweimal schlucken, auch der Stammbaum sieht etwas anders aus, aber auch damit lernt ein Flame leben. Für mich trägt sie meinen Namen, auch wenn das offiziell nicht so ist, ich denke darüber eigentlich nicht mehr so oft nach.

Da meine Tochter die doppelte Staatsbürgerschaft hat, habe ich am Tag nach ihrer Geburt bei unserer Botschaft in Wien für sie einen belgischen Reisepass beantragt. Freundliche Leute sind das, das muss einmal gesagt sein. Dazu gehört dann ein Foto (von einem unerkennbaren schlafenden Baby), und das Dokument ist teuer, aber fünf Jahre gültig (kein Mensch würde sie nach ein paar Wochen darauf noch erkennen), also alles in Ordnung. Sollte man meinen.

Check-in in Wien Schwechat International Airport, SkyEurope, Grundpreis für den Flug okay, aber mit Steuern und Versicherung, Gepäckzuschlag, Buggy und Sitzplatzwahl letztendlich auch nicht zum Lachen und schon gar nicht berauschend.

Meine Tochter steht mit erworbenem flämischem Stolz und angeborener österreichischer Sturheit am Check-in-Schalter und legt ihren bordeauxroten Pass und die Online-Reservierung vor, sie will es so, also lassen wir es geschehen.

„Ist das dein Papa?“

Sie sieht mich verzweifelt an, ich sehe sie zögern, obwohl wir das oft genug geübt haben. „Ja“, sagt sie etwas zu langsam für den Geschmack der jungen Dame hinter dem Schalter.

„Und Sie können das beweisen, nehme ich an?“ Sie blickt mir streng in die Augen.

Ich fühle mich plötzlich als Entführer meiner eigenen Tochter. Schlagzeilen und Verfolgungsjagden, Fingerabdrücke und DNA-Tests, ich sehe es, als ob ich es selbst geplant hätte. Ich habe Verständnis dafür, das ist es nicht, es laufen schließlich tatsächlich jede Menge dubiose Menschen herum. Aber ich?

Er war kurz, aber er war da. Dieser typische Robert de Niro-Blick mit ausgebreiteten Armen, so à la: „Wie können Sie daran zweifeln?“ Kurz, aber lange genug, dass die Dame am Check-in nach meinem Vaterschaftsnachweis fragte. Als ich auf meine Tochter zeigte, stellte sich das als unzureichender Beweis für die Angestellte heraus. Dann war da wieder dieser entwaffnende Robert de Niro-Blick, „Wie können Sie daran zweifeln?“, aber sie hielt sich hartnäckig an das vorgeschriebene Verfahren.

Und dann fand ich ihn, den achtmal gefalteten Vaterschaftsnachweis mit allen Stempeln und Unterschriften, die so ein Dokument anscheinend braucht, hinten in meinem Reisepass, und er stellte die Dame von SkyEurope sofort zufrieden. Wir durften problemlos weiter, Bordkarte in der Hand.

Was sie sicher nicht gelesen hat, war der kleine Text unten auf dem Dokument. Ich hätte es bei der Anzeige der Geburt meiner Tochter am Standesamt auch beinahe übersehen. Im Feld, in dem die liebe Mutter meiner Tochter unterschreiben und bestätigen musste, dass ich der Vater bin, steht in einigen wenigen Sätzen, dass sie ein Jahr Zeit hat, das Dokument zu widerrufen.

Die Mutter darf die Vaterschaft widerrufen. Der Vater nicht! Emanzipation hat ihren Preis.

Ein Jahr Zeit hat der österreichische Staat ihr gegeben, zu erklären, dass sie daran zweifelt oder felsenfest davon überzeugt ist, dass der angegebene Vater auch tatsächlich der Vater ist.

Es gibt kein Feld für mich. Ich kann nicht zurück zum Standesamt gehen und sagen: „Ich bin nicht der Vater“, denn diese Möglichkeit existiert nicht. Die Mutter weiß doch besser als jeder andere, mit wem sie sich rund um das Datum der Empfängnis vergnügt hat… also… Väter müssen warten. Ein ganzes Jahr lang. Ein sehr langes Jahr.

Wenn wir wieder zurück in Wien sind, gehe ich sofort zur Botschaft. Ich muss so schnell wie möglich meine beiden Kinder in meinen Reisepass eintragen lassen. Mit Vaterschaftsnachweis natürlich, sonst wirkt man als Vater von Kindern, die den Namen ihrer Mutter tragen, in Österreich etwas dämlich. Ich habe inzwischen auch bereits eine Antwort von der Botschaft auf meine Frage, wann ich vorbeikommen kann, erhalten. Ich kann jederzeit kommen, aber nicht, um meine Kinder in den Reisepass eintragen zu lassen, weil das nicht möglich ist. Ich lebe nach Ansicht des rechtskatholischen Österreichs schließlich in Sünde (zusammen mit einer Frau, aber unverheiratet). Wie meine Kinder bezeichnet werden, will ich gar nicht wissen. Sie tragen den Familiennamen ihrer Mutter, nach dem österreichischen Gesetz muss ich mich mein ganzes Leben lang jedes Mal aufs Neue als Vater meiner Kinder legitimieren, mit einem Stückchen Papier, bei dem inzwischen zumindest glücklicherweise die Frist für die Widerrufung der Vaterschaft abgelaufen ist. Die liebe Mutter meiner Kinder schrieb in das Feld: „Er ist der Vater und aus!!!“

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De zwarte spiegel

eerder verschenen in ‘het verhalenarchief’.

 

“Moet ik mijn zoon werkelijk alles vertellen over zijn grootvader, mijn vader, over zijn enthousiasme voor het nationaal-socialistisch regime, over zijn uniform met hakenkruis? Of mag ik daarover zwijgen?”

Voor dit dilemma staat Martin Pollack in zijn bijdrage in “Die Presse” van 10 januari 2009.

Voor dit dilemma staat hij niet alleen. Die vraag stellen zich wel meer vaders, meestal voor zichzelf, dat antwoord kan een ander niet geven.

“Ik weet niet of het aan het ouder worden ligt,” schrijft Pollack, “of aan iets anders, maar ik denk de laatste jaren steeds vaker aan mijn jeugd terug.”

Ook hij denkt terug aan zijn vader die hij te kort heeft gekend, waarover hij vaag weet dat hij voor de Gestapo in Linz heeft gewerkt, in een grote villa die er vandaag nog staat.

In “zwijg als je praat”, verschenen in mei 2008 bij uitgeverij Lemmens, geeft mijn protagonist Victor een antwoord op dit dilemma. Ik ben door hetzelfde denkproces gegaan als Pollack en stelde me net als hij de vraag wat het werkelijk voor me betekent dat de vader die ik ook veel te kort heb gekend, met wie ik even weinig ben gaan wandelen, even zeldzaam gesprekken had, in 1943 naar het Oostfront is vertrokken en later als collaborateur werd veroordeeld.

“Ongetwijfeld heeft het verleden van mijn vader ook mij gevormd, mijn hele leven. Ik weet zeer goed dat ik geen alleenstaande ervaring heb, dat ik niet de uitzondering ben. Vele mensen van mijn generatie worden – de een al vroeger dan de andere – met het feit geconfronteerd dat hun vader of grootvader een dader was, met het wapen in de hand, of ergens aan een bureau met de pen in aanslag. De geliefde vader, het voorbeeld dat we in onze jeugd wilden evenaren om ooit te zijn zoals hij.”

Tijdens mijn opzoekingen ter voorbereiding van mijn roman was ik me ten volle bewust van het feit dat ik niet alleen stond, dat er nog anderen waren in mijn situatie, maar die gedachte heeft me nooit getroost. Ik werkte tenslotte alleen, net als Pollack, met mijn eigen demonen, met mijn kwellende vragen aan de vader die mijn geen antwoord meer kon geven.

“Had ik het gewaagd hem deze vragen te stellen mocht hij nog leven? Zou hij mij geantwoord hebben?” Pollack weet het niet, ik evenmin.

Wat ik weet is dat ik heel lang gezocht heb naar wat ik in mezelf van mijn vader herken. Een lange introspectieve zoektocht naar wat me werkelijk met hem verbindt, of ik denk als hij, zou beslissen zoals hij, of ik zijn bloed heb, met alles wat daar aan consequenties aan vast hangt.

“Een vader kan men niet uitzoeken zoals een stuk kleding, men kan hem verloochenen, de ogen voor de realiteit sluiten. Maar is dat de uitweg uit het dilemma? Ik denk het niet.” En dan formuleert Pollack het zo exact mogelijk als hij kan: “Ik geloof eerder dat men zijn vader precies zo moet bekijken als de geschiedenis, ook als dat een onaangenaam gevoel opwekt of zelfs pijn veroorzaakt. En zelfs dan ben ik me altijd blijven afvragen hoe het mogelijk was, dat uitgerekend mijn eigen vader, die verschrikkelijke en voor mij onbegrijpelijke weg is gewandeld. Waarom hij?”

Lag het aan de tijdsgeest? Ik heb nachtenlang wakker gelegen en mijn hersenen gemarteld over hoe een gemiddeld intelligente, gestudeerde man die net als wij geleerd heeft goed van kwaad te onderscheiden, enerzijds een liefhebbende zoon en vader kan zijn en gelijktijdig een dader, die zonder nadenken een wapen draagt, gebruikt en weer opbergt. Tot het weer morgen wordt en alles opnieuw doorgaat.

In “zwijg als je praat” verhaalt Victor het als volgt:

“Ik kan er niet bij, Lilly.”

“Vertel het me,” zei ze en ze legde haar hoofd in zijn schoot.

“Albert was zesentwintig toen hij vertrok.” 

“Ok. Ik ben zeker dat jij dat uitgerekend hebt.”

“Hoe kan iemand van die leeftijd zo gewillig zijn? Hoe kan je op die leeftijd deel willen uitmaken van een groep, meer nog een ‘troep’, mak in het gelid lopen, blind gehoorzamen? Leven en aanvaarden dat anderen bepalen hoe morgen eruit ziet?”

“Heb je de kazerne gezien? Het station?”

“Ja, en Albert is die kazerne binnengestapt en heeft zich overgeleverd! Ik kom er met mijn verstand niet bij. Hij was een volwassen man en besliste om zijn vrijheid en zelfbeschikking op te geven. Andere mannen van die leeftijd waren getrouwd en hadden twee kinderen in die tijd!”

Pollack stelt dat het niet zinloos is om in de afgrond te kijken die hem vaak als een zwarte spiegel voorkomt. Integendeel, het is een absolute noodzakelijkheid met zijn verleden, zijn totaal privaat verleden, in het reine te komen. Zonder iets mooi te praten, zonder iets te verbergen of wit te wassen.

Tijdens mijn eigen recherche kon ik de familie er niet van overtuigen hoe belangrijk deze zoektocht voor me was. Zwijgen was het motto, de herinnering aan de gekende goede kanten van de vader niet verstoren, niets oprakelen noch uitpluizen, niets dan goeds over de doden. Ik voelde me alleen met mijn verlangen te weten, te begrijpen, die man te leren kennen in die ongelooflijk desastreuze periode uit de geschiedenis.

“Dit had niets met een afrekening met mijn vader te doen,” schrijft Pollack, “maar het was noodzakelijk om mezelf te kunnen begrijpen, wie ik ben, niet in het minst in mijn verhouding tot mijn vader.”

In “zwijg als je praat” stelt de protagonist (die over het zwijgen van zijn moeder praat) het als volgt:

“Lilly, een familie zonder overlevering kan als familie niet overleven. De informatie die zij heeft is toch niet alleen van haar. Ze heeft de verdomde plicht die met ons te delen. Zoals ik de verdomde plicht heb ernaar te luisteren en die op mijn beurt door te geven.”

Vaders laten ons niet los, hoe zeer we dat ook zouden willen, ze houden ons vast omarmd, in een greep die we niet van ons kunnen afschudden. Want onze vaders zijn een onafscheidelijk deel van onszelf, we zijn door een ontelbaar aantal draden met hen verbonden. Deze vaststelling kan heel mooi zijn, maar evenzeer beangstigend en dreigend.

“Moet ik mijn zoon, die 30 is, werkelijk alles vertellen over zijn grootvader, mijn vader, over zijn enthousiasme voor het nationaal-socialistisch regime, over zijn uniform met hakenkruis op de kraag en de doodskop op de kepie…? Of moet ik mijn zoon in het ongewisse laten en hem tegen deze zwarte zijde van ons verleden beschermen?” vraagt Pollack.

Ik heb beslist het mijn zoon en dochter, beiden bijna dertig, te laten lezen.

Daarom is “zwijg als je praat” mijn antwoord op deze vraag en het antwoord is duidelijk: niets mag verzwegen of toegedekt worden, hoe onaangenaam of beschamend, vervelend of pijnlijk ook.

Het is geen veroordeling van de vader, het is een vrijspraak voor de zoon die door te weten verder kan, hoe dan ook verder moet.

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Maria, Titus und Europa

Das Kaffeehaus am Wiener Naschmarkt ist bis auf ein paar Marktstandler leer. Hermann sitzt in seiner Ecke und liest mit einer Lupe die Zeitung, ein Slowene schreit zu lange und zu laut etwas Unverständliches in sein Telefon und wird vom Ober diskret zurechtgewiesen. Er schreit weiter, hält nun aber seine Hand vor den Mund.

Ich bestelle meinen Cappuccino, eine Buttersemmel und ein weiches Ei im Glas und lese die erste Zeitung des Tages. Der Standard. So rosa wie die Financial Times und De Tijd, aber damit hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Es ist früh und das regnerische Wetter hält die Menschen zu Hause. Das Café wird sich erst später füllen, noch ist es ruhig.

Maria kommt durch die schwere Glastür herein, Spazierstock in der einen, Leine in der anderen Hand. Das macht sie schon seit dreißig Jahren, seit ihr Mann starb, jeden Tag zur selben Zeit. Überleben durch Routine und anonyme, aber lebensnotwendige Gesellschaft. Wer nicht alleine bleibt, lebt länger. Maria und ihr Hund.

Heute läuft ihr Kläffer nicht neben ihr her, sie schleift ihn unachtsam hinter sich ins Café, wie ein kleines Kind, das erst gehen gelernt hat und einen Nachziehhund an einem Band hinter sich her zieht. Wir nennen ihn ‚Kläffer‘, obwohl er Titus heißt. Heute zeigt Titus wenig Regung, die Leichenstarre muss schon länger eingetreten sein. Er fällt mich heute nicht an, er versucht nicht, in meine Stiefeletten zu beißen, bis ich ihm einen kleinen Klaps aufs Maul gebe. Kein Wiener, der Maria darauf aufmerksam machen würde.

Sie schiebt sich mühsam hinter ihren höchstpersönlichen kleinen, runden Marmortisch, zieht den Hund ans gusseiserne Tischbein und bedankt sich beim Ober, der eine Schale Wasser bringt. Er schaut das Tier heute nicht an, kein kurzes Streicheln über die Ohren. „Wie üblich, Maria?“

„Danke, Nico“, antwortet Maria. Er geht an mir vorbei, und ich sehe, dass er es weiß.

So, wie Maria hier sitzt, könnte sie genauso tot sein wie ihr Titus. Zwei Stunden lang. Dann steht sie plötzlich wieder auf, legt drei Euro auf den Tisch, streift sich mühsam ihren Mantel über und schleift Titus aus dem Kaffeehaus. Der Hund braucht Frischluft. Maria auch. Heute wird Maria mehr davon haben als ihr Hund.

Als Nico mich bedient, sage ich beiläufig: „Dieses Tier wird nicht mehr viel trinken.“

„Alles die Schuld von Europa!“ sagt der Ober.

„Europa?“

„Mit allen ihren Richtlinien, sogar über Hundefutter haben sie etwas zu sagen, Sie sehen ja, wohin das führt. Ich sage Ihnen, Europa, diese überbezahlten Leute dort in Brüssel, ich sage Ihnen, Brüssel tötet nicht nur die Hunde.“

Es besteht (noch) keine Richtlinie über Hundefutter in der EU. Das habe ich recherchiert. Aber schon vom Gedanken, dass es so sein könnte, sterben nach Meinung von Nico Hunde in Wien. Ich bin ziemlich sicher, dass er im Juni nicht wählen gehen wird.

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23 vragen aan… Roel Verschueren

In 2008 verscheen zijn roman  Zwijg als je praat . We voerden een boeiend gesprek met deze auteur, over zijn fascinatie voor het verleden, zijn schrijversbestaan, de manier waarop hij taboeonderwerpen bespreekt, de reacties die hij krijgt, maar ook over zijn literaire en filmische voorkeuren en zijn toekomstdromen.

‘Het verleden is niet zoals een weggeworpen slangenvel dat uitgedroogd en nutteloos achterblijft. Het is ook geen vlucht. Niet als je het gebruikt om het heden beter te begrijpen’

1. Symboliseert Zwijg als je praat, je debuutroman, voor jou het begin van je schrijverscarrière?

Ik heb in mijn leven altijd al geschreven. Ik was zelfs ooit ghostwriter in mijn vorig leven. Maar mijn eerste roman heeft inderdaad zijn weg gevonden naar Ivo Lemmens. Hij vond het verhaal gewoonweg sterk en goed geschreven, en naar de eersteling kijkt iedereen gespannen uit, de schrijver nog het meest. Zonder eerste boek komt er geen tweede. Zolang je niet uitgegeven bent ben je – zoals zovele anderen – gewoon aan het schrijven. Na je eerste boek noemt iedereen je plots ‘auteur’. Spijtig en hard, maar zo is het.

2. Schrijven is voor jou dus geen hobby, maar een noodzaak…?

Hoewel ik, als ik schrijf, zeer gedisciplineerd ben, voelt het aan alsof elke minuut gestolen tijd is. Ik heb twee jonge kinderen (zes en drie jaar oud) die nogal wat aandacht vragen, een partner met een zeer creatieve maar tijdrovende job. We moeten ons echt goed organiseren om onze creativiteit de ruimte te geven die nodig is. Maar eigenlijk schrijf ik altijd. Als ik er wat afwezig bijloop, of aan een gesprek in een ronde niet deelneem, weet mijn omgeving dat ik aan het schrijven ben. Zonder pen of computer, maar de zinnen vormen zich dan langzaam en voorzichtig in mijn hoofd. Die moeten dan zo snel mogelijk op papier.

3. Waar gaat je roman Zwijg als je praat over?

Het is een bezeten zoektocht van een zoon, naar een blinde vlek in het verleden van zijn vader. Het is een familieroman, waarin generaties in conflict komen over het recht op informatie en de plicht die door te geven. Het gaat over zwijgen, verstoppen, misleiden omdat de vader een foute beslissing heeft genomen. De zoon probeert te achterhalen waarom en ontdekt een heel andere waarheid dan die waarnaar hij op zoek is.

4. Je hebt veel research gedaan bij het schrijven van deze roman. Waardoor ben je daarmee begonnen? Heb je altijd veel interesse in het (oorlogs)verleden gehad?

Het verleden bepaalt in grote mate wie we zijn, waarom we zo geworden zijn, en is voor mij een onmisbare informatiebron om zelf met dit leven in het klare te komen. In tegenstelling tot wat gedacht wordt, is zwijgen ook een vorm van communicatie. Je krijgt geen informatie, maar als je goed naar het zwijgen luistert hoor je soms meer dan wanneer iemand praat. Het is deze vorm van communicatie die me boeide, proberen te achterhalen wat de familieleden over de vader niet zeggen tijdens het langdurig zwijgen. Het schrijven van deze roman werd in grote mate bepaald door het tempo van mijn research. Wanneer ik nieuwe elementen had gevonden, hadden die een invloed op de structuur en vorm van het verhaal. Het eigenlijke plot kwam pas zeer laat in het schrijfproces bovendrijven, hoewel ik vanaf het eerste woord dat op papier stond voldoende vertrouwen had dat het er zou komen. Ik wist alleen nog niet wat het zou zijn.

5. Is het bezig zijn met het verleden in zekere zin een vlucht voor het hier en nu?

‘The past is not a package one can lay away,’ zei Emily Dickinson. Het is niet zoals een weggeworpen slangenvel dat uitgedroogd en nutteloos achterblijft. Het is ook geen vlucht. Niet als je het verleden gebruikt om het heden beter te begrijpen. Het verleden kan een springplank zijn. Om het nu met de nodige kennis bij te sturen waar nodig, eruit te leren, en met inzicht voor zichzelf te bepalen hoeveel je dat verleden je toekomst laat bestemmen. Het verleden is nooit onherroepelijk voorbij, zei Oscar Wilde. En mijn landgenoot Herman Brusselmans zei: ‘Als er iets is dat het verleden je leert is het dit: ga door. Ga door en maak van de toekomst nog meer verleden.’

6. Zwijg als je praat speelt zich af in Oostenrijk. Jij woont in Wenen. Toeval?

Nee. Mijn dochtertje van drie vroeg me wie haar Belgische opa was, en nam geen genoegen met de boodschap dat hij al zeer vroeg was overleden. Ik besefte dat ik op zoek moest gaan om haar ooit, als ze ouder zou zijn, een correct en bevredigend antwoord te kunnen geven.

7. In hoeverre is dit verhaal fictie?

Hoewel de roman fictie is, is de situatie waarin de protagonist Victor zich bevindt nogal gelijklopend met de mijne. Laat ons stellen dat we beiden op zoek waren naar hetzelfde, maar Victor zijn eigen verhaal in het boek kreeg.

8. Welke boodschap zit er in het verhaal?

Recht op overlevering. Recht te weten. Plicht te vertellen. We vertellen niets meer aan elkaar. We lezen, zoeken op via het internet, schrijven korte zinnetjes op Facebook of Twitter. Maar vertellen, de verhalen over vroeger aan de volgende generatie doorgeven is er niet meer bij. Alsof we alles al zouden weten of kunnen opzoeken, en aan verbale overlevering, de ‘vertellingen’ geen boodschap meer zouden hebben.

9. Merk je dat er in Oostenrijk anders over het oorlogsverleden gepraat wordt dan in Nederland? 

Helemaal anders. Het thema kwam tot voor een paar jaren in de geschiedenisboeken niet voor. Er is nu echter geen ontkomen meer aan. Je zit hier in het Alpenland met miljoenen mensen die zich ‘slachtoffer’ voelen van het nationaalsocialisme uit de oorlogsjaren, hoewel ze op twee procent na, allemaal met de annexatie door Hitler hebben ingestemd. Probeer daar maar eens mee te leven. Een collaborateur in België of Nederland beseft ondertussen dat hij een beslissing heeft genomen die – achteraf beschouwd – nogal fout was. Tot dat inzicht moeten de Oostenrijkers nog komen. En dat gebeurt ook, er wordt eindelijk over gesproken, al is het schoorvoetend.

10. Hoe reageerden Vlamingen die Zwijg als je praat lazen?

De meeste reacties gingen over de stijl en het plot, minder over de inhoud (collaboratie en de zoon van ‘foute’ ouders). Ik weet dat ik een goed verteller ben, dat ik filmisch schrijf, de mensen kunnen zich de scènes goed voorstellen, iedereen voor zich op zijn eigen manier, en dat voelt aan alsof een hand hen door het boek begeleidt en hen loslaat net voor het plot. Ik verwacht op de Duitse versie (de roman is onlangs vertaald, red.) een heel ander soort reacties. Veel meer gepolariseerd en met meer polemiek. Het onderwerp ligt in Oostenrijk nog altijd veel gevoeliger dan bij ons. En ik ken heel wat mensen van de generatie na mij die nu pas aan dezelfde ontdekkingstocht begonnen zijn die ik achter de rug heb.

11. Welke reactie herinner je je het best?

Die vrouw die me schreef en vroeg hoe het kwam dat ik haar moeder kende. Dat ‘Martha’ in mijn boek, de moeder, haar moeder had kunnen zijn: een combinatie van een bitch en een slachtoffer van de situatie.

12. Je boek werd door veel mensen gelezen, onder andere door leden van historische kringen…

Ik hoop dat beide boeken bij zo veel mogelijk mensen iets wakker schudt. De thema’s zijn soms ondraaglijk relevant, laten niet los, en zetten bij velen hopelijk iets in gang dat niet meer te stoppen is.

13. Wat is jouw persoonlijke wens voor het geschiedenisonderwijs?

Vervang alle geschiedenisboeken van het eerste leerjaar tot het einde van de humaniora door het boek In Europa van Geert Mak. Boeiender, logischer, meer verhalend, objectiever en meer correct.

14. Na Zwijg als je praat (Lemmens) volgde Morgen is van mij (Lannoo): een roman over seksueel misbruik in de kerk. Weer een gedurfd onderwerp. Jij gaat taboeonderwerpen niet in uit de weg…?

Morgen is van mij is non-fictie. Het gaat over een keiharde realiteit die begin 2010 als een bom in België en de ons omringende landen is ingeslagen: seksueel misbruik in de kerk. Het gaat opnieuw over ‘zwijgen’, maar dan over een zeer zwarte kant van het instituut kerk en alles wat daaraan vast hangt. Het gaat over een van de zwaarste misdaden tegen de menselijkheid die men zich kan voorstellen, omdat dit soort misbruik gebaseerd is op macht. Macht van een volwassene, meestal een geestelijke, over een machteloos kind. In tegenstelling tot mijn eerste roman, had ik nu al zeven maanden research verricht, binnen het kader van mijn nogal uitdagende columns in De Standaard en De Tijd online. Ik kon het zwijgen van de kerk, de politiek en justitie niet meer aan. De reacties op de columns stroomden direct via mijn website bij me binnen. Ik werd op die manier met bijna honderdvijftig menselijke drama’s geconfronteerd, van slachtoffers die me hun verhaal schreven, vaak voor het eerst. 2010 was voor mij het zwartste jaar uit mijn leven, maar tegelijk ook de periode waarin ik het gevoel had voor de honderden slachtoffers van seksueel misbruik iets te kunnen doen.

Ik heb het boek in zesentwintig dagen geschreven, vijf weken later lag het in de winkel, met een nawoord van kinderpsychiater Peter Adriaenssens, onze Vlaamse commissaris Deetman zo te zeggen.

Overigens: ik zie nogal wat parallellen tussen Zwijg als je praat en Morgen is van mij. Er is over de thema’s ontiegelijk veel geschreven, vanuit alle invalshoeken, en toch blijft het onuitputtelijk. Oorlogservaringen zijn, net zoals de ervaring van misbruik, onuitwisbaar. Oorlogen hebben impact op de hele wereld, en op alle generaties. Misbruik vernietigt in vele gevallen het individu, de eigenwaarde, de levensvreugde. Het kind in de volwassene werd gedood. Voor beide thema’s geldt de levensnoodzakelijke hoop: ‘dat nooit meer!’

15. Kun je nog een anoniem bestaan leiden of zien mensen je ‘als die schrijver’? Zeker nu je stadsgenoten je boek ook kunnen lezen, aangezien – je noemde het eerder al even – er nu ook een Duitse versie is van Zwijg als je praat?

In mijn sociale kring in Wenen ben ik inderdaad de vrije journalist en auteur. Iedereen die me kent krijgt nu ook de kans mijn eerste roman in het Duits te lezen. Dat is – eerlijk gezegd – een heel eigenaardig gevoel. Ik heb me hier redelijk beschut gevoeld, de mensen kenden me als mens, vader van twee kinderen, partner van een Oostenrijkse vrouw, als buitenlander en dus enigszins een buitenstaander. Die relatieve anonimiteit is door de vertaalde roman nu verdwenen. Hoewel die toch al aan het afbrokkelen was nadat ik ook columns vertaald op mijn website heb gesteld en essays begon te schrijven, onder andere in het weekblad ‘Profil’.

16. Werk je momenteel aan een nieuwe roman?

Ik ben momenteel met een nieuwe roman bezig. De aanzet daartoe was eind 2009 al gegeven, maar dat project heb ik moeten opbergen omwille van Morgen is van mij en de nasleep ervan. Ik heb nog heel wat tijd nodig, want dit keer zal research me niet helpen. Het moet allemaal uit mijn eigen poriën komen. Daar hou ik van. De kans is trouwens groot dat hij meteen in Duitse vertaling verschijnt en misschien pas later in originele versie. Mijn Weense uitgever schijnt daar nogal belang aan te hechten. We mogen niet vergeten dat de Duitstalige markt vijf maal groter is dan de Nederlandstalige.

17. Waar zou je nog wel eens een boek over willen schrijven?

Ik zit met een concreet plan dat de komende maanden meer vorm zal aannemen voor een kinderboek. De thema’s worden me rijkelijk aangereikt door mijn zesjarige Weense dochter en de tekeningen van mijn dertigjarige Belgische dochter sluiten daar wonderwel bij aan. Het wordt een kwestie van tijd en organisatie, de afstanden zijn te groot om regelmatig samen te zitten. De vraag is dus niet of het er komt, maar wanneer het er komt.

18. Wat is je favoriete oorlogsboek of -film? Of website? Waarom?

Heb ik niet. Als ik geschiedenis lees, dan is het geschiedenis met een grote ‘G’.

19. Welke auteur vind je goed? Waarom? 

Murakami, Coetzee, Philip Roth, Lars Saabye Christensen en van bij ons Annelies Verbeke. Zeer uiteenlopend, ik weet het, maar ik hou van variatie.

20. Welke plek in Europa is je favoriete plek?

Elke plek waar het warm is, waar water stroomt, en veel licht voor mijn noodzakelijk optimisme zorgt. En een goede rode wijn voorhanden is tegen een betaalbare prijs, natuurlijk.

21. Je kent de archieven vrij goed. Welk archief kun je geschiedenisliefhebbende weblogbezoekers aanraden?

Over het thema collaboratie: het verhalenarchief van het Nederlands Nationaal Archief. Over het thema misbruik heb ik een nogal extensieve literatuurlijst samengesteld op mijn website.

22. Wat is je grote droom… als auteur, als mens?

Als auteur: de tijd krijgen te schrijven wat ik nog schrijven wil. Als mens: ik heb dit jaar mijn vader overleefd. Dat mag zo nog een tijdje doorgaan. De kaap is genomen.

23. Wat wil je zelf nog kwijt?

Sapere aude.

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