Die unerwartete Glückseligkeit beim Bemalen van Porzellan

Am Samstag werde ich 55. Das passiert mehreren Leuten, habe ich mir sagen lassen, aber ob es viele Väter meines Alters gibt, die an einem wolkenverhangenen Donnerstagnachmittag mit ihrer fünfjährigen Tochter einige Stunden lang Keramik bemalen, wage ich zu bezweifeln. Ein halbes Jahrhundert liegt zwischen uns auf dem Tisch, die meisten meiner Freunde sind inzwischen Großvater und spielen Golf.

Und während meine Tochter sehr selbständig und eigensinnig eine mattweiße Kaffeetasse mit dazu passender Untertasse aus den Regalen auswählt, ihre Farben zusammenstellt, sich eine Schürze umbindet und einen Drehteller vor sich aufstellt, berät sie mich mit natürlicher Selbstverständlichkeit, welchen Pinsel ich am besten verwenden soll und warum ich lieber eine Vase und nicht auch eine Kaffeetasse bemalen soll.

Wir sind hier zum ersten Mal, ein großes Atelier an der Ecke unserer Straße. Sie geht mit allem hier um, als ob wir schon unser ganzes Leben lang hierher kommen würden, und obwohl Keramik kein Porzellan ist, fühle ich mich wie der sprichwörtliche Elefant.

Die Eventualität, dass sie während des Malens kurz einmal nicht sprechen könnte, erweist sich als naiver Wunsch, ich bekomme eine volle Ladung Ratschläge ab. Es ist die absolute Unbefangenheit, mit der sie ihre Farben aufträgt, das totale Fehlen eines Plans oder Ziels, die befreiende Unabhängigkeit von irgendeinem Ergebnis, die mich verwirrt und meine Hände lähmt.

Mein Dasein als ‚neuer Vater‘ wird schwer auf die Probe gestellt. Von einem fünfjährigen Kind.

Kann ich das noch? Habe ich es noch in mir? Bin ich noch dazu in der Lage, mich unbefangen und unbesorgt von Fantasie und Kreativität treiben zu lassen, die selbst bestimmen, wie das Ergebnis aussehen wird? Denn sie hat die absolut unverbildete Freiheit, sich keine Gedanken über das Ergebnis zu machen. Ergebnis ist noch kein Ziel.

Sie sieht, dass ich zögere, zittere und nachdenke. Plötzlich macht sie einen dicken orangefarbenen Punkt auf den Bauch meiner noch weißen Vase und sieht mich kurz lachend an. Dann spricht sie weiter und malt.

Mit fünfundfünfzig bedeutet ein orangefarbener Punkt von einer Fünfjährigen mehr, als ich jemals zu denken gewagt hätte. Morgen holen wir unsere Kunstwerke ab. Gebrannt und glasiert. Die Vase mit dem einen, einzigen orangefarbenen Punkt wird wunderschön, so viel ist sicher! Und was hat das alles mit Europa zu tun? Ich musste etwas grübeln, aber das Atelier, in dem wir waren, heißt ‚Made by You‘! An dem Tag, an dem sich Europa das als Slogan auf die Fahne schreiben kann, sind wir dort angelangt, wo wir sein sollten.

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